Der natürliche Verlauf der MS (Allgemeines)

W.W. @, Samstag, 12. August 2017, 09:45 (vor 4 Tagen)

Ich glaube, es wird nicht bezweifelt, dass eine MS in aller Regel schubförmig als RRMS beginnt. Die Schübe scheinen zufällig zu kommen und zufällig in Gehirn und Rückenmark verteilt zu sein (dissipated in space and time). Sie beruhen auf Herden, die man im Kernspintomogramm sichtbar machen kann, wobei nur jeder 5. bis 10. Herd an einer Stelle sitzt, die sich klinisch bemerkbar macht. Ob die Herde tatsächlich Entzündungsherde sind oder nur Entzündungszeichen aufweisen, bleibt offen.

Offen bleibt auch, was die Ursache dafür ist, dass Hirngewebe, das möglicherweise genetisch anfällig dafür ist, abstirbt. Handelt es sich hierbei um 'echte' Ursachen oder eher so etwas, was man als Trigger bezeichnen könnte. Ein 'Trigger' wäre z.B. der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Er kann eher zufällig sein. Nicht zufällig ist, was das Fass dazu gebracht hat, immer voller zu werden. Aber was ist das? Stress? Überlastung? Die Aktivität eines Erregers, der sich in betroffenen Hirnregionen eingenistet hat? Der Mangel an irgendeinem Stoff, der sich um die Venen herum bemerkbar macht?

Dann werden die Herde und die Schübe immer seltener, als ob eine anfängliche Aktivität mit der Zeit an Kraft verlieren würde. So unklar, wie es ist, dass es überhaupt zu Herden und Schüben kommt, so unklar ist es auch, warum die Herdaktivität nach Jahren abflaut. Aber auch darüber scheint kaum ein Zweifel zu bestehen, dass die MS in ihrer zweiten Phase (SPMS) in ihrem Erscheinungsbild nicht mehr vom Entstehen neuer Herde geprägt wird, sondern von einem anderen Prozess, den man so beschreiben könnte: In bereits entstandenen Herden, die scheinbar zur Ruhe gekommen und vernarbt sind, also Herden, die im Grunde genommen Schnee von gestern sind, ist wohl so etwas wie eine Untergrundaktivität geblieben, die von am besten als langsame Degeneration in MS-Narben beschreiben könnte.

Es scheint also die anfängliche Herdaktivität, die oft als entzündlich gedeutet wird, in eine degenerative Phase überzugehen, die irgendwie auf Ernährungsstörungen im Narbenbereich zurückzuführen ist und zum langsamen Absterben von Nervenfasern führt.

Üblicherweise wird wohl gesagt, die 1. Phase der MS, die entzündlich zu sein scheint und durch Herde und Schübe charakterisiert wird, geht in eine 2., degenerative Phase über. Die 1. Phase scheint ihre zerstörerische Kraft aus einer Ursache zu schöpfen, die wir nicht kennen. Alle sind sich sicher, dass hierbei genetische Faktoren eine Rolle spielen, obwohl diese nicht das Entscheidende sind.

Aber was ist das Entscheidende? Hier prallen die unterschiedlichen Meinungen aufeinander. Die unterschiedlichen Ansichten beruhen auf vier unterschiedlichen Deutungen des pathologisch-anatomischen Geschehens:

1. Sind die Herde tatsächlich zufällig verteilt oder haben sie Vorzugslokalisationen?
2. Sind sie entzündlicher Genese oder täuschen die Lymphozyten, die sich in älteren Herden befinden, nur eine Entzündung vor?
3. Warum befindet sich in jedem Herd eine zentrale Vene?
4. Warum flaut die anfänglich scheinbar entzündliche Aktivität im Laufe der Jahre ab?

Besteht bis zu diesem Punkt eine weitgehende Übereinstimmung?

W.W.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum