Die Zusammenarbeit von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft ist selbstverständlich! (Allgemeines)

Marc @, Freitag, 11. August 2017, 19:02 (vor 67 Tagen) @ W.W.

Lieber Herr W.W.,

Ich kann zwei Gedankenstränge in ihrer Theorie erkennen, die auf recht oppurtunistische Weise verwoben werden. Zum einen die Kooperationen zwischen Pharma und Wissenschaft in der Forschung und Entwicklung, zum anderen eine quasi-"Bestechung" von Neurologen zur Beeinflussung ihrer Patientenempfehlungen. Zusammen ergibt das wohl eine "perfekte" kausale Verkettung mit dem Ergebnis, dass Pharmaumsätze mit Hilfe von Neurologenempfehlungen erhöht werden. Ich glaube, da könnte man auch etwas Realität beisteuern...

Wäre es nicht verrückt, wenn sich Ärzte, Forscher, Pharmafirmen und Patienten nicht zusammenraufen würden, um gemeinsam den Stier an den Hörnern zu packen? Darin steckt eine Logik, die ich sogar als eher unheimlich empfinde. Sie ist so logisch, dass man sich ihr kaum entziehen kann.

Die Kooperation zwischen wissenschaftlicher Forschung und Pharma ist eigentlich quer über alle Krankheitsbilder gang und gebe. IdR. schafft eine Forschergruppe on der heutigen Zeit vielleicht noch eine Phase I Studie aber kaum noch IIa. Danach werden Kapitalgeber notwendig, die in der Lage sind, die die mehr als 7 stelligen Beträge beisteuern müssen, um eine Therapie zum Markt zu bringen. Weshalb ist eine solche Zusammenarbeit unheimlich für sie? Es gibt sonst nahezu keinen vernünftigen sekundären Kapitalmarkt für Biotechnologie in Europa.

Und dennoch kaum sie auf vielerlei Weise missbraucht werden, wenn sich Ärzte auf Kongressen weiterbilden, die von Pharmafirmen ausgerichtet werden, wenn sie zu Fortbildungen in Hotels gehen, wo Pharmafirmen für Essen und Trinken sorgen, wenn Ärzte zu Mietmäulern für ein spezielles Medikament werden, wenn Ärzte über Verlaufsbeobachtungen 'Provisionen' für die Medikamente bekommen, die sie verordnen, wenn Leitlinien unter Einflussnahme von Pharmafirmen erstellt werden, wenn Selbsthilfegruppen großzügig von Pharmafirmen unterstützt werden, all das hat eine unheimliche Logik.

Man denkt, so und nur auf diese Weise kann die MS gezähmt und unter Kontrolle gebracht werden, alle müssen zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen! Aber im Hintergrund lauert das Misstrauen: Lassen sich Ärzte von Pharmafirmen kaufen? Sind die Studien so verlässlich, wie sie uns dargestellt werden? Bekommen die Ärzte alle Informationen oder vorwiegend die, die sie bekommen sollen? Sind MS-Gesellschaften wirklich objektiv?

Irgendwie fehlen in ihrer Beschreibung sie Worte "Pharma Kodex Richtlinien und Verordnungen". Sie sind ja schliesslich nicht der Erste, der etwas besorgt auf den 18 Mrd. Markt. Für MS Therapien geschaut hat und mögliche Wettbewerbsverzerrung befürchtet hat.

Ich gebe recht, dass viele der vorhandenen Transparenzinitiativen freiwillig sind und als Ergebnis die geschätzte halbe Million an jährlichen Zuwendungen aus der Pharma nicht vollständig aufgezeigt werden konnte. Ich kann aber nicht erkennen wo Zuwendungen aktuell mutwillig verdeckt werden.

Wenn sie also hier durch Verwebung von Kooperationen auf der Forschungsebene mit "verdeckten" Zuwendungen den Beteiligten mutwilliges Fehlverhalten zum Schaden der Patienten vorwerfen, dann ist ihre Beschreibung nunmal etwas zu "perfekt".

Und ich wüsste auch nicht, wie man dieses Geflecht, das mich zugegebenermaßen durchaus beunruhigt, mit Zahlen belegen sollte. Dass Ärzte Zuwendungen von der Pharmaindustrie erhalten, dass die Pharmaindustrie Kongresse ausrichtet, dass sie Studien plant, entwirft und auswertet, mit den führenden Fachzeitungen Absprachen hat, all das ist doch bekannt - und nicht nur bekannt, sondern sogar erwünscht.

Am Ende kommen sie eigentlich auf ihren anderen Thread zurück in welchem sie anderen Ärzten Bestechlichkeit vorwerfen. Das kann jede(r) sehen, wie er/sie will. Immer mit Doc. Mäurer als Fallbeispiel a.) und die Ecke zu kommen wird auf Dauer langweilig. Es gibt auch andere Ärzte, die mal einen Kongress finanziert bekommen haben (weil sie sonst überhaupt nicht hingekommen wäre) und trotzdem keine Angst haben, anschließend ihren MS Patienten auch mal nichts zu verschreiben...


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