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W.W. @, Freitag, 11. August 2017, 08:54 (vor 123 Tagen) @ Marc

So sehen perfekte Verschwörungstheorien aus.

Lieber Marc,

vielleicht habe ich Sie missverstanden, aber ich hatte eigentlich nicht vor, eine Verschwörungstheorie zu verkünden. Ich bin eher überzeugt, die Beziehungen zwischen Ärzten, forschender Pharmaindustrie und MS-Gesellschaften so beschrieben zu haben, wie sie sind.

Wäre es nicht verrückt, wenn sich Ärzte, Forscher, Pharmafirmen und Patienten nicht zusammenraufen würden, um gemeinsam den Stier an den Hörnern zu packen? Darin steckt eine Logik, die ich sogar als eher unheimlich empfinde. Sie ist so logisch, dass man sich ihr kaum entziehen kann.

Und dennoch kaum sie auf vielerlei Weise missbraucht werden, wenn sich Ärzte auf Kongressen weiterbilden, die von Pharmafirmen ausgerichtet werden, wenn sie zu Fortbildungen in Hotels gehen, wo Pharmafirmen für Essen und Trinken sorgen, wenn Ärzte zu Mietmäulern für ein spezielles Medikament werden, wenn Ärzte über Verlaufsbeobachtungen 'Provisionen' für die Medikamente bekommen, die sie verordnen, wenn Leitlinien unter Einflussnahme von Pharmafirmen erstellt werden, wenn Selbsthilfegruppen großzügig von Pharmafirmen unterstützt werden, all das hat eine unheimliche Logik.

Man denkt, so und nur auf diese Weise kann die MS gezähmt und unter Kontrolle gebracht werden, alle müssen zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen! Aber im Hintergrund lauert das Misstrauen: Lassen sich Ärzte von Pharmafirmen kaufen? Sind die Studien so verlässlich, wie sie uns dargestellt werden? Bekommen die Ärzte alle Informationen oder vorwiegend die, die sie bekommen sollen? Sind MS-Gesellschaften wirklich objektiv?

Und was soll Objektivität überhaupt heißen? Bleibt der Rat eines Experten nicht gut, auch wenn er dafür fürstlich belohnt wird? Ich glaube, MS-Betroffene sehen die Vorzüge des Systems, wie es jetzt läuft und wollen auch nichts daran ändern. Das heißt Patienten, Ärzte, die forschende Pharmaindustrie und sogar die Krankenkassen und die Politik sind sich alle einig. Es ist schwer, etwas Böses darin erkennen zu wollen, es sei denn, man sei Verschwörungstheoretiker.

Und ich wüsste auch nicht, wie man dieses Geflecht, das mich zugegebenermaßen durchaus beunruhigt, mit Zahlen belegen sollte. Dass Ärzte Zuwendungen von der Pharmaindustrie erhalten, dass die Pharmaindustrie Kongresse ausrichtet, dass sie Studien plant, entwirft und auswertet, mit den führenden Fachzeitungen Absprachen hat, all das ist doch bekannt - und nicht nur bekannt, sondern sogar erwünscht.

Wie soll man aus einem Sumpf herauskommen, von dem man nicht einmal weiß, ob er ein Sumpf ist?! Ich glaube, die meisten MS-Betroffenen sind froh, dass es so ist, wie es ist. Nette Ärzte sind oft auch dumme Ärzte, sie kennen sich mit Import- und Exportdaten und Arbeitsplätzen schlecht aus.

W.W.


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