Über die Homöopathie (Allgemeines)

W.W. @, Dienstag, 08. August 2017, 15:42 (vor 8 Tagen)

Wenn ich darf, würde ich gern die folgende Kolumne von Hontschik zur Diskussion stellen:


Frankfurter Rundschau; Samstag, 24.06.2017
Runter vom hohen Ross

Jüngst trafen sich in Leipzig 1.200 Ärztinnen und Ärzte aus aller Welt zum homöopathischen
Weltkongress. Sachsen ist für bekennende Homöopathen das wichtigste historische Zentrum. In Meißen wurde 1755 Samuel Hahnemann geboren, der Begründer
der Homöopathie. In Leipzig studierte er Medizin und
betrieb dort und später im nahen Köthen seine Praxis.
Über hundert Kongressteilnehmer waren auch aus Indien
gekommen. Beeindruckend, wie sie Hahnemann verehrten.
Sie fuhren nach Meißen und Köthen, sie knieten weinend
vor Glück an Hahnemanns Geburtshaus und an seinen
Wirkungsstätten nieder. Strahlend verkündeten sie,
Hahnemann sei ihr Gott.

Solche Verehrung ist in Deutschland zwar eher unüblich,
aber von den knapp 380.000 berufstätigen Ärztinnen und
Ärzten zählen sich immerhin 40.000 zu den Homöopathen,
also etwas mehr als zehn Prozent. Und wenn ich mich in
meinem Bekanntenkreis umhöre, dann sind es weit mehr
als zehn Prozent, die sich homöopathisch behandeln lassen.
Sie berichten mir immer wieder von umwerfenden
Heilerfolgen, weisen Kritik zurück. Sogar Pferde, Hunde
und Katzen würden homöopathisch mit Erfolg behandelt,
und bei Kindern wirke es wahre Wunder. Dem Argument,
in den Globuli sei doch nur Wasser, begegnen sie mit dem
Hinweis, dann könne es wohl auch nicht schaden.

Die Homöopathie hat aber nicht die Spur eines Wirksamkeitsnachweises
vorzuweisen. Naturwissenschaftlich betrachtet
ist sie ein fauler Zauber, eine leere Versprechung.
Dementsprechend scharf sind die Angriffe aus dem Lager
der Schulmedizin. Ich gehöre auch zu denen, die rein gar
nichts von der Homöopathie halten. Ich halte ihre vermeintliche
Wirksamkeit entweder für Erfolge einer tiefgehenden
Placebowirkung der „Droge Arzt“ oder für ein rein
zufälliges Zusammentreffen von Kügelchen und Selbstheilung.
Aber die glaubwürdigen Berichte von Behandlungserfolgen,
vor allem aber meine jahrzehntelange ärztliche
Erfahrung, dass es noch etwas anderes zwischen Himmel
und Erde gibt als nur naturwissenschaftliche Evidenz, lassen
mich doch innehalten.

Denn ich muss feststellen, dass die ausführliche Anamnese,
das Gespräch, die Beziehung in allen Patientenberichten
über die Homöopathie besonders hervorgehoben wird.
Da fällt mir der berühmte Kardiologe Bernard Lown ein,
der in seinen Vorlesungen immer wieder darauf hinwies,
dass man mehr als 90 Prozent aller Diagnosen durch eine
gute Anamnese, durch geduldiges Zuhören und bloß mit
einem Stethoskop stellen kann, ohne Herzkatheter oder
Magnetresonanztomogramm. Eine solche Medizin ist der
Gesundheitswirtschaft ein Dorn im Auge. Für eine solche
Medizin ist weder in der überfüllten Kassenpraxis noch im
gehetzten Krankhausalltag Platz.

Und wenn die Leere, die Inhaltslosigkeit der homöopathischen Globuli so scharf kritisiert wird, dann fallen mir aber die 30 Milliarden Dollar Strafzahlungen ein, zu denen die Pharmaindustrie alleine in den USA in den letzten 20 Jahren wegen kriminellen
Marketings verurteilt wurde. Dann fällt mir ein, dass medizinische
Fehler in der westlichen Welt als dritthäufigste
Todesursache gelten. Es fällt mir ein, dass es vom Schlafmittel
Contergan über die Antibabypille Yasmin bis zum
Cholesterinsenker Lipobay zu Hunderten, zu Tausenden, zu
Hunderttausenden von Todesfällen durch Medikamente
gekommen ist. Und dann fällt mir noch ein, dass Krankenhausinfektionen
für knapp 100.000 Todesfälle in Europa
verantwortlich sind .....

Und deswegen sage ich: Wer so viel Schaden an Leib und
Leben von so vielen Menschen verursacht hat wie die
Schulmedizin, der hat das Recht verwirkt, sich auf das hohe
Ross zu setzen und auf die erfolgreiche Beziehungsarbeit
mit dem klugen Placeboeinsatz der homöopathischen
Konkurrenz herabzublicken.
chirurg@hontschik.de - www.medizinHuman.de

W.W.


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