Ist die Basistherapie teurer als die Psychotherapie? (Allgemeines)

Marc @, Montag, 07. August 2017, 08:01 (vor 133 Tagen) @ W.W.

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Aber wie misst man die Wirksamkeit der BT? Haben Menschen, die sich 20 Jahre lang mit BT behandeln lassen, weniger Herde? Hatten sie weniger Schübe? Ist ihre Behinderung geringer?
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Und wie ist es mit dem EDSS von 100 RRMS-Patienten, die nicht 20, sondern 10 Jahre mit Basistherapie behandelt wurden, und mit 100 RRMS-Patienten verglichen wurden, die keine Basistherapie erhielten? Immerhin gibt es die Beta-Interferone seit fast 30 Jahren.
Es stimmt. Ich komme mir lächerlich vor, wenn ich diese einfachen Fragen immer wieder stelle. Aber immerhin wäre es ja denkbar, dass die Basistherapie gar nicht wirkt.

Nicht, dass ich so etwas behaupten würde, denn dafür habe ich keine Beweise. Aber wie steht es mit den Beweisen der Gegenseite? Es reicht mir, wenn Sie die Ergebnisse der Studie kurz referieren, welche die Ansicht stützt, dass nach der langjährigen Anwendung einer Basistherapie der EDSS geringer ist als in einer vergleichbaren Gruppe, die unbehandelt geblieben ist.
Ich vermute, dieser Nachweis ist so schwierig, dass er gar nicht erbracht werden kann. Dann aber steht Aussage gegen Aussage. Müsste dann die pharmakritische Seite ihre Zurückhaltung beweisen? Oder eher die medikamentenfreundliche Seite ihre Empfehlung dieser Therapie? Immerhin geht es um Kosten zwischen 10.000 und 30.000 € pro Jahr.

W.W.
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Ganz ehrlich Herr Weihe, ich fühle mich lächerlich ihnen eine Antwort auf eine Erwiderung zu schreiben in welcher so gut wie alles mit "???" vermerkt ist. Aber gut, das ist nunmal ihr Diskussionsstil...

Da sie hier einschlägige Studien mit Einbezug einer Psychotherapie anmahnen und die "Gegenseite" kritisieren wenn keine vorliegt, würde ich ihnen vorschlagen, sich zunächst darüber Gedanken zu machen, wie eine solche Studie überhaupt auszusehen hätte.

Ihre These stammt ja eigentlich aus dem anderen Thread zum "Rolling Planet" Artikel, der auf eine 5 Jahre alte Ministudie zur Auswirkung Stressbewältigungsmethoden (!) auf T1 Entzündungen in einem Horizont von 6 Monaten verweist.

http://www.neurology.org/content/early/2012/07/11/WNL.0b013e3182616ff9.abstract

Wie schon geschrieben sind Stressbewältigungsmethoden keine Psychotherapie und Studien zur Wirkung von Basistherapien auf Entzündungen in einem 6 Monat Horizont finden sie wie Sand am Meer - und sogar solche mit einem doppelten und dreifachem Zeit Horizont (!) Das wissen sie auch.

Die These: "Man soll mir doch eine vernünftige Studie xy zeigen bevor ich an etwas glaube..." geht in die falsche Richtung. Machen sie sich doch endlich mal die Mühe zunächst diejenigen Studien aufzuführen, die sie bisher recherchiert haben bevor sie sich wieder über nicht überzeugende Basistherapiestudien beklagen. Und warum suchen sie eigentlich nicht auch nach Studien zu Eskallationstherapien?

Wenn sie nun eine langzeit Studie zu Basistherapie und EDSS erwarten, dann können sie z.B. mit einer aus 2016 beginnen in welcher aufgezeigt wird, dass Patienten nach Absetzen einer langjährigen Basistherapie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Behinderungsprogression hatten.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27298148

Ich kenne keine Details dieser Studie und würde die Ergebnisse auch nicht verteidigen wollen. Ich will nur zum Ausdruck bringen, dass in der Zeit, in welcher sie sich über fehlende Studien beklagen, sie genauso schnell entsprechende hätten finden können.

Und abschließend zu ihrem Gedankenfehler: es sind nunmehr neben zahlreichen Basistherapien auch diverse Eskalationstherapien auf dem Markt zugelassen. Ein Patient, der eine fehlende Wirkung oder NW bei Therapie X spürt wird daher in der heutigen Zeit auch nicht lange bei dieser Therapie bleiben.

Will heissen, ihre Annahme, dass Patienten sich Jahrzehnte lang irgendeine Basistherapie spritzen um Wirkungen gemäß einer uralten Zulassungsstudie zu erfahren gibt's eigentlich nicht. Entweder der Patient hat einen tatsächlichen Nutzen und er macht weiter oder er hat schon längst damit aufgehört. Und dann ist ihre "Kosten/Nutzen" Rechnung auch sinnlos.

Vielleicht hilft ihnen ein Makroblick: in Deutschland gibt es laut Kassenstatistiken vermutlich 200.000 G35 MSler. Davon wurden bei etwa einem Viertel - also um die 50.000 - Therapien abgerechnet. Wenn man also in einem Land mit "perfekten" Vorraussetzungen (sprich: vollständige Kostenübernahme der Therapien, "gleichgeschaltete" Kommunikation der behandelnden Neurologen durch pharmafreundliche Leitlinien) gerade Mal ein Viertel der Betroffenen eine Therapie machen, wird die "Verschwendung" mit unnützen Basistherapien vermutlich nicht systematisch sondern eher anekdotisch sein.

Eine Ergänzung dieser mit Psychotherapie kann im Einzelfall erstrebenswert sein. Ich glaube aber nicht, dass sie mit ihrer These weit kommen werden.


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